Dienstag, 30. April 2013

Indochina Rundreise - Laos, Kambodscha & Vietnam


Der Begriff Indochina soll den kulturellen Einfluss Indiens und Chinas auf die Völker und Länder Südostasiens ausdrücken. Im politischen Sinn umfasste das Laos, Kambodscha und Vietnam, welche Teil des französischen Kolonialreich waren. Knapp 10 Wochen Indochina liegen hinter uns, eine sehr schöne Zeit, jedoch in der zweiten Hälfte (namens Vietnam) auch eine sehr anstrengende und ermüdende Erfahrung. Aber nochmal von Vorne:

LAOS Nachdem wir den Norden Thailands durchquert haben, ging es mit dem Slow Boat zwei Tage den Mekong hinunter. Die ideale Einstimmung auf Laos, für mich das Land der Gemütlichkeit. Wer mich kennt, der kann sich ausmalen wie entspannt und langsam das Leben in Laos sein muss, dass es selbst meinem gemütlichen Gemüt auffällt ;-)

Mancherorts musste man die Menschen tatsächlich wecken, wenn man Infos brauchte oder etwas kaufen wollte. Bei manchen Kellner hatte man Angst das sie einschlafen könnten auf dem Weg in die Küche. Das Zweite was einem auffällt, ist das unverkennbare französische Erbe, das die Kolonialherren in Indochina hinterlassen haben. Luang Prabang, die Endstation des Slow Boat, macht das sehr deutlich. In der touristischen Gegend entlang des Mekongufers reihen sich koloniale Villen aneinander, die Hotels servieren frische leckere Croissants zum Frühstück und auf den Straßen gibt es jede Menge Baguettes. Die nächste Station unserer Route war da gaaaanz anders und der Weg dahin mit dem Minivan eine der holprigsten Strecken die ich je gespürt habe. Vang Vieng besteht aus 2,5 Straßen und ist - besonders unter Backpackern - berühmt und berüchtigt für das sogenannte 'Tubing' auf dem Mekong. Mit einem LKW-Reifen geht es im Schneckentempo den Fluss hinunter, an den Bars auf dem Weg kann man stoppen und ... die Party ist vorbei! Es gibt heute nur noch drei Bars auf dem Weg, die Seile an denen man sich über den Fluss geschwungen hat wurden gekappt und die Happy Pizza verbannt. Was von der Party übrig geblieben ist, sind verbitterte Bewohner in einer ziemlich ausgestorbenen Kleinstadt. Bis die Menschen zum Wandern und Kayaken hier her kommen vergeht sicher noch ein wenig Zeit. Also weiter dem Mekong entlang nach Vientiane, der wohl ruhigsten Hauptstadt der Welt (mit unter 300.000 Einwohnern). Das Beeindruckendste und gleichzeitig bedrückendste ist ein kleines Museum, das über die Millionen Tonnen von Bomben aufklärt, die die USA im Zuge des Vietnamkriegs über Laos abgeworfen haben. Von dort ging es eine lange Reise über Thakek weiter nach Süden. In Pakse wurden wir dann von der Hitze förmlich erschlagen und mussten daher in Champasak einige Tage zur Akklimatisierung bleiben. Dehydration sollte man wirklich ernst nehmen und am besten mit viel Wasser vorbeugen, was wir ab diesem Zeitpunkt taten - aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Nach knapp 2 Wochen in Laos waren wir dann auf den sogenannten 4.000 Inseln (verteilt im Mekong) angekommen und entschieden uns für Don Khong, die wohl größte von allen. Nach einer Verschnaufpause in diesem Hängemattenparadies (ähm ja, nur auf den kleineren Inseln mit den billigen Hütten) sollte es dann über die Grenze nach Kambodscha gehen...





KAMBODSCHA Um die Tour von Laos in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh nicht am Stück zu fahren, war unser erster Stopp Kratie. Doch bevor wir dort ankamen durften wir mit dem kambodschanischen Transportsystem vertraut werden. Regel 1: Abfahrt ist erst wenn der Minibus voll ist. Regel 2: Der Minibus ist nie voll, es geht immer noch einer rein. Das heißt: Wenn eine Sitzreihe 3 Plätze hat passen 4 rein, wo kein Sitz ist kann noch wer stehen, selbst auf dem Fahrersitz kann man noch einen mitnehmen. Doch die Fahrt von Kratie nach Phnom Penh hat mich selbst mit diesem Wissen nochmal erstaunt. Wo nach deutschem Standard 15 Sitzplätze vorhanden sind, sind wir im kambodschanischen Minibus mit 25 Menschen gefahren. Und eines kann ich mit Sicherheit (und aus Erfahrung) sagen, wer zwischen den Sitzen sitzt hat es nicht gerade gemütlich! Doch es wurde noch schlimmer, denn das was man in Phnom Penh im Gefängnis S-21 und den Killing Fields über die Verbrechen der Roten Khmer lernt ist einfach nur schockierend. Mit der Idee eines radikalen Neuanfangs wurde ein Drittel der Bevölkerung innerhalb weniger Jahre brutal hingerichtet. Das mussten wir dann erstmal verdauen, bevor wir umzogen in die White Mansion - ein Hotel das vorher als US Botschaft diente - um dort Moni's Geburtstag zu verbringen. Da wir uns noch nicht bereit fühlten für mehr Tempelanlagen, sondern eher noch ein wenig Ruhe brauchten ging es ans Meer nach Sihanoukville. Die Küstenmetropole des Landes zeigt aber eines der großen Probleme recht deutlich - den Müll. Und dabei spreche ich nicht nur vom Straßenrand. Es scheint die Einheimischen nicht zu stören, dass alles was man ins Meer wirft auch wieder zurück an den Strand kommt. Weniger dreckig ist es zum Glück, wenn man zwei Stunden Bootsfahrt weiter auf der Insel Koh Rong landet. Die Paradise Bungalows machen ihrem Namen daher wirklich Ehre und der deutsche Besitzer der sich hier niederließ, nachdem er einen Tsunami in Sri Lanka überlebte, sorgt auch für einen weitgehend sauberen Strand. So verbrachten wir gleich 4 Tage auf der (relativ) einsamen Insel am weißen Sandstrand, bevor es mit dem Nachtbus nach Siem Reap ging. Kaum dort angekommen, erkundeten wir auch gleich die weltberühmten Tempel rund um Angkor Wat. Das Dreitagesticket nutzten wir voll aus, wenngleich die Hitze uns mittags zurück zum Hotelpool trieb. Ich habe noch nie soviele Menschen mit hochroten Köpfen in der prallen Sonne rumrennen und schwitzen sehen wie bei diesen Tempeln. Den beliebten Tagesausflug zum Tonlé Sap See sparten wir uns und beschlossen statt dessen mit dem Bus auf die andere Seite des enormen Binnengewässers zu fahren - nach Battambang. Eine der Attraktionen hier ist ein Zirkus, gegründet von einer Nichtregierungsorganistation (NGO) aus dem Ausland, die versucht aus Kindern professionelle Artisten zu machen. Doch das ist nur eine von vielen Hilfsorganisationen in Kambodscha, dem Land der NGOs. Hier scheint kaum jemand Verantwortung übernehmen zu wollen, man hat gelernt, dass man nichts kann ohne fremde Hilfe oder vielleicht ist es auch einfach bequemer auf Hilfe zu warten statt es selbst in die Hand zu nehmen. Denn Zeit hat man in Kambodscha fast soviel wie in Laos... Eile und Hektik scheinen den Menschen auch hier fremd. Also weiter entlang des Tonlé Sap, nach Pursat, von wo aus wir dann die schwimmenden Dörfer auf dem See besuchten. Das besondere an dem See ist dessen Abhängigkeit vom Mekong, mit dem er über einen kleineren Fluss verbunden ist. Wenn der Mekong nach der Regenzeit viel Wasser aus dem Norden mitbringt, fließt das in den See. Die andere Hälfte des Jahres fließt das Wasser aus dem See zurück in den Mekong und der Fluss daher umgekehrt. Da der See somit seine Größe ändert und die schwimmenden Dörfer am Rande des Tonlé Sap liegen, ziehen diese dann auch einfach komplett um: 5 km weiter, Haus(Boot) für Haus(Boot). Anschließend ging es für uns mit dem Bus zurück in die Hauptstadt, womit wir die Runde um den See und unsere Reise durch Kambodscha komplettierten. Nach diesem letzten Aufenthalt in Phnom Penh und knapp 3 Wochen in Kambodscha ging es schließlich mit dem Boot nach Vietnam...





VIETNAM Das Schnellboot verlässt Phnom Penh, kurzer Stopp an der Grenze, dann durch das Getümmel in Chau Doc zum gebuchten Hotel - das stimmt einen schon auf die Geschwindigkeit des Landes ein. Und als wir am nächsten Morgen zum Bus abgeholt werden sollen, sagt der freundliche Hotelier doch glatt: Hurry Up! Beeilt euch? Das habe ich jetzt wirklich lange nicht gehört, aber es beschreibt genau wie der Hase (äh Vietnamese) hier läuft. Immer auf Hochtouren, denn Zeit ist bekanntlich Geld und davon haben die Touristen bekanntlich viel... Aber dazu später mehr. Es ging also durchs Mekongdelta nach Can Tho - dem geschäftigen Zentrum der Gegend. Der mächtige Fluss teilt sich nämlich kurz nach der Grenze auf in ein Labyrinth mit 9 Armen und unzähligen Kanälen. Das Klima ist feucht und heiß, weshalb auch ein Großteil des Reis von Vietnam hier angebaut wird. Ein weiteres wichtiges Produkt ist die Fischsauce - der beste Freund der Vietnames(inn)en in der lokalen Küche. Transportiert wird natürlich mit Schiffen und Booten, deshalb wird auch gleich auf dem Wasser gehandelt. Alles was hier noch so angebaut wird: Ananas, Melonen etc. pp. Die schwimmenden Märkte sind natürlich ein Muss für Touristen, auch wenn der Tourstart um 6 Uhr echt hart war. Doch noch härter sollte der Nachmittag werden. Wir hatten eigentlich Bustickets mit PickUp beim Hotel bestellt, doch das hatte aus irgendeinem Grund wohl nicht geklappt. Also hat man nochmal bei der Busgesellschaft angerufen und Plätze für uns reserviert, zahlbar an der Busstation, für einen Abholservice jedoch zu kurzfristig. Wir wollten aber gleich los, die Fahrt nach Ho Chi Minh City (HCMC) sollte ja einige Stunden dauern, also ab ins Taxi und zur Busstation. Wir waren noch nicht richtig aus dem Taxi ausgestiegen, da half man uns auch schon mit dem Gepäck. Wo soll es hingehen? Saigon - wie HCMC früher hieß und heute noch oft genannt wird. Einer trägt uns das Gepäck und einer reißt die Tickets von seinem Block und kassiert. Die Tickets zeigen die richtige Gesellschaft und den richtigen Preis, das Gepäck aber lädt man nicht in den großen orangenen Bus, sondern in einen Minivan. Vielleicht fährt uns der zum richtigen Bus? Alle machen ziemliche Hektik, schon sitzen wir drin und ein Dritter verlangt das Ticket, dann verschwindet er. Inzwischen ist zwar klar, das hier was nicht stimmt, aber ich hab schon bezahlt. Man hat uns eindeutig reingelegt um den Minibus voll zu bekommen. Und auf der Strecke versucht der Helfer noch mehr Menschen einzusammeln oder vielmehr zum Mitfahren zu überreden - freundlich ist er dabei nicht wirklich. Auch wenn es nicht gerade komfortabel war, es keine Klimaanlage gab und im Minivan sogar geraucht wurde, kamen wir nach etwa 5 Stunden - Gott sei dank - am richtigen Busbahnhof in HCMC an. Da das Zentrum der Millionenmetropole noch einige Kilometer entfernt ist und ich nicht gleich auch noch von einem Taxifahrer abgezockt werden wollte, hab ich den unfreundlichen Helfer solange genervt (obwohl er kaum Englisch sprach - die Adresse konnte er wohl lesen) bis er uns zum lokalen Bus gebracht hat. Also lernten wir schneller als uns lieb war vorsichtig zu sein, auch bei der Hotelreservierung. Vietnamesische Häuser haben nämlich eine sehr eigenwillige Bauweise, sehr schmal, lang (bzw. tief) und hoch. Man hat meist nur vorne Fenster, nicht an der Seite. Das führt dazu, dass es auch etliche Zimmer mit winzigen oder gar keinem Fenster gibt. Also hatten wir in HCMC erstmal nur eine Nacht gebucht im 3-Sterne Elios Hotel, ein Standardzimmer für 50 $. Und wir haben tatsächlich eines OHNE jeglichen Tageslichtzugang bekommen. Verrückt! Ich habe mich also am nächsten Morgen direkt aufgemacht ein neues Zimmer zu organisieren, nach etwa 7 angesehenen Hotels in der näheren Umgebung hatte ich die Hoffnung fast aufgegeben noch ein schönes Zimmer zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Doch dann fand ich ein großes, schönes Zimmer mit riesigen verstärkten Fenstern im 8. Stock (mit Aufzug) - man hörte also quasi nichts vom Verkehr. Ach ja, der Verkehr. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Roller, Mopeds oder - wie man hier einfach zusammenfasst - Motobikes gesehen. Da konnte auch die Hauptstadt Hanoi später nicht mithalten. Aber nochmal zurück zum Hotel, es kam die erste Nacht und ich lernte warum die Straße im Reiseführer als Backpacker Viertel bezeichnet wurde. Direkt neben unserem Hotel lag nämlich der 'Crazy Buffalo' - eine mehrgeschossige Mischung aus Bar und Disko - mit Party bis in die frühen Morgenstunden, so laut dass es keine verstärkten Fenster, noch nichtmal die Wände abhalten konnten. Aber wozu gibt es Ohrenstöpsel ;-) HCMC ist eine dieser Metropolen die niemals schläft. Und eine dieser Städte mit genialen Aussichten von diversen Wolkenkratzern (wenn auch keine eindeutige Skyline vorhanden ist). Auch vom Dach des Elios Hotel, wo wir unser erstes Abendessen/Frühstück hatten war der Ausblick gut, doch von der Rooftop Bar des Sheraton war es nochmal eine andere Klasse - dafür kostete eine Cola auch 5$. Es gibt zwar eine Happy Hour für Cocktails und Bier, d.h. jeder muss ein Getränk bestellen und jeder bekommt dann ein 2. gratis. Doch es war gerade Ostersonntag und damit der letzte Tag der Fastenzeit - die hatten wir begangen indem wir knapp 6 Wochen auf Alkohol verzichtet haben, also blieben wir bei Tonic (ohne Gin). Ach ja, der Verzicht hat wohl seinen Teil dazu beigetragen, dass ich in dieser Zeit einige Kilo verloren habe. Und was man sieht wenn man die Stadt nicht von oben betrachtet? Unter den diversen Sehenswürdigkeiten stechen der alte Präsidentenpalast und das Kriegsmuseum heraus, eine erschreckende Sammlung von Fotos und Fakten rund um den Vietnamkrieg. Danach waren wir reif für den Strand, genauer gesagt Mui Ne. Ein Fischerdorf bzw. eine Straße die inzwischen auf einer Länge von ca. 10km Hotels und Resort aneinanderreiht. Jedoch hat heute nur noch ein Teil Sandstrand, der Rest wurde vom Meer geschluckt und die Menschen versuchen mit Mauern zumindest die Hotelgrundstücke vor dem Meer zu retten. Doch das Wetter, vielmehr der Wind, würde Mui Ne wohl auch ohne Strand weiter Besucher bringen: Kitesurfer! Und wenn das hier so ein Mekka des Kitesurfens ist, dann muss ich das eben auch mal ausprobieren dachte ich mir. Auch wenn es mit 50$ pro Stunde kein günstiger Spaß ist. Aber ich fand eine Schule mit deutschem Lehrer, so konnte ich wenigstens sicher sein, dass ich ihn verstehe ;-) Nach meinem ersten Tag (bzw. den ersten Stunden) war es dann aber schon wieder vorbei - nicht genug Wind am nächsten Tag. Daher zogen wir weiter, jetzt in die Berge nach Dalat. Hier hatten die Franzosen (als Kolonialherren von Indochina) sich einen kühlen Zufluchtsort geschaffen, um der Hitze Saigons zu entfliehen. So hatten wir hier auch gleich Regen, Nebel und das angenehm kühlere Wetter. Erlebnisreich war besonders unsere Tagestour mit einer Gruppe die zum Großteil aus vietnamesischen Touristen bestand. Denn die sind ganz begeistert von den Blumen und Früchten hier, dem kitschig romantischen Park und den Paddelbooten in Form eines Schwans (ja, wir haben es auch getan). Und wenn man genug davon hat, dann ist man auch wieder in wenigen Stunden an der Küste - nächste Station war Nha Trang. Genau wie Mui Ne hat dies nicht viel mit Vietnam zu tun, sondern ist eher geprägt von den Touristen, besonders den russischen. Es gibt die Speisekarte daher oft in vietnamesisch - russisch. In Mui Ne war es manchmal auch nur russisch. Aber Nha Trang ist deutlich größer, eine richtige Stadt eben. Das war auch gut so, da wir (zum zweiten Mal nach Bangkok) leider einen Arzt brauchten - diesmal hatte Moni starke Bauchschmerzen. Also ab ins Provinzkrankenhaus, kein englischsprachiger Arzt zur Mittagszeit, also gingen wir nochmal Mittagessen und kamen zurück. Das hatte dann allerdings zur Folge, dass wir nach dem Röntgen einen Termin für den nächsten Tag bekamen. Denn eine Endoskopie kann man nur auf nüchternen Magen machen. Wir blieben am Ende also ungewollt 5 Tage in Nha Trang, aber mit den Medikamenten ging es dann auch schnell wieder Berg auf. Aber natürlich heißt das jetzt auch mehr Vorsicht beim Essen: Nicht so scharf, nicht so fettig/ölig, nicht so einfach... Es wurde aber einfacher in Hoian. Das ist die wohl schönste Stadt in Vietnam mit dem besten Essen. So machten wir hier auch unseren zweiten Kochkurs nach Chiang Mai (Thailand). Das Zentrum von Hoian ist Weltkulturerbe und besteht aus vielen alten chinesischen Lager- und Wohnhäusern, mit einigen chinesischen Tempeln dazwischen. Die hatten das Land nicht nur 1.000 Jahre lang besetzt, sondern hier einen Handels- und Umschlaghafen. Der hat sich inzwischen nach Danang verlagert. Das lassen die meisten gleich komplett weg, doch wir haben uns in der Stadt für eine Nacht niedergelassen - ganz abseits vom Touristenrummel - bevor es dann nach Hué ging und damit wieder voll auf den Touristenpfad. Oder sollte ich besser sagen in die Touristenfallen? Hier versucht wirklich jeder (außer dem Holiday Diamond Hotel!) einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Meine Lieblingsgeschichte: Das Cyclo soll 200 Dong kosten, der Fahrer dreht eine große Runde, wartet 2 Stunden vor der 'Citadel' und fährt dann wieder zurück. Am Hotel angekommen will er 200 VND pro Stunde - natürlich inklusive Wartezeit! Zum Glück ist das nicht mir passiert, sondern jemanden den wir hier wiedergetroffen haben. Doch es bestätigte meine Meinung leider...Vietnam ist das Land der Touristenfallen. Wir blieben also beim Taxi mit Taxi-Meter, wenngleich man auch hier auf die richtige Firma (z.B. Mai Linh) achten sollte. Und für die Sehenswürdigkeiten außerhalb (eine Pagoda und Königsgräber) liehen wir uns ein Motobike im Hotel - ja wir haben es überlebt ;-) Da es inzwischen echt anstrengend war und zwischen der Mitte des Landes und der Hauptstadt nur wenig sehenswertes ist, beschlossen wir uns noch eine Luxusausflug zu gönnen und dann den Nachtbus zu nehmen. Gesagt getan, wir buchten uns im Holiday Diamond Hotel, bei den nettesten Menschen die wir bis dahin in Vietnam getroffen hatten, eine private Tour zur DMZ. Die DeMilitarisierte Zone stellte die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam dar und wurde von den USA leider nicht als DMZ anerkannt, sondern heftig bombardiert. Mit dem Auto ging es zu einer Tunnelanlage, wo uns unser persönlicher Guide schon erwartete. In den winzigen Tunneln (über)lebten hunderte Vietnamesen jahrelang während des Kriegs. Ein Leben hier - unvorstellbar! Das macht wirklich nachdenklich. Zeit dazu hatten wir dann ja im Nachtbus nach Hanoi. Der spuckte uns mal wieder in einem Hostel inkl. Tourvermittlung aus, wir hatten aber vorgesorgt und ein Hotel reserviert. Doch anstatt in eines der bereitstehenden Taxis zu steigen ließen wir uns eines anrufen - wenngleich die Hostelmitarbeiter davon überrascht waren. Es soll aber zum Einen eine ganze Menge Taxis mit zu schnellen Taxi-Meter hier geben, zum Anderen Hotels die renommierte Namen kopieren und die Taxifahrer mit hohen Kommissionen dazu bringen Gäste in die Kopie statt das Original zu fahren - das wollten wir auf jeden Fall verhindern. Angekommen im Charming 2 Hotel - mitten im Old Quater von Hanoi - wurden wir überschwänglich begrüßt vom wohl freundlichsten Personal des ganzen Landes. Nach einem kleinen Frühstück konnten wir dann auch bald einchecken und nochmal eine Runde schlafen bevor wir die Stadt erkundeten. Tagsdrauf organisierten wir dann die nächsten und letzten Tage in Indochina: Mit dem Nachtzug in die Berge nach Sapa zum Wandern zwischen den Reisterassen, zurück nach Hanoi und zum Abschluss mit dem Schiff zum Übernachten in die zum Weltkulturerbe erklärte Halong Bay, bevor wir wieder zurück nach Bangkok fliegen - was witzigerweise mit Qatar Airways in diesen Tagen am günstigsten war.

Nachdem wir uns also 3 Tage im Trubel der Hauptstadt umgesehen hatten, gingen wir es in Sapa ganz entspannt an. Nachdem der Nachtzug nur unruhigen Schlaf erlaubte, holten wir das erstmal nach bevor wir am Nachmittag eine erste Wanderung ins Nachbardorf machten. Den zweiten Tag schlossen wir uns einer netten kleinen Gruppe an und ließen uns von einer Einheimischen vom Stamm der 'Schwarzen Hmong' durch die Berge und Terrassen von Reisfeldern führen. Sie konnte weder lesen noch schreiben, sprach dafür aber nahezu perfekt Englisch. Das die Frauen hier arbeiten (egal ob als Reiseführer oder auf dem Feld) während die Männer zu Hause auf die Kinder aufpassen, ist nur einer der interessanten Aspekte der Kultur der Hmong. Den letzten Tag verbrachten wir dann nochmal gemütlich in Sapa bevor es mit dem Nachtzug zurück ging nach Hanoi. Von dort ging es tagsdrauf mit dem Minivan zur Halong Bay. Das sind 4 anstrengende Stunden Fahrt, bevor es auf's Schiff geht um die Felsformationen aus der Nähe zu betrachten und die Nacht auf dem Wasser im Schiff zu verbringen. Doch kurz bevor wir zum Hafen kamen, wurde uns mitgeteilt das ein Unwetter naht und die lokale Polizei verfügt hat, alle Schiff müssen zurück in den Hafen über Nacht. Man bot uns also zwei Alternativen: Direkt zurück nach Hanoi zu fahren (wobei ich mir nicht sicher bin wie ernst man das meinte) oder einen Tagesausflug mit dem Schiff bevor es zurück geht. Natürlich entschieden sich alle für die zweite Option, jetzt wo man schon mal hier am Hafen ist - zudem war der Preis geradezu günstig, verglichen mit dem was man bereits gezahlt hatten für eine Nacht mit V'Spirit Cruise. Doch das sollte es noch nicht gewesen sein mit Planänderungen - nachdem wir ein schnelles Mittagessen hatten auf dem Weg vom Hafen zu einer Höhle, durften wir uns dort mit den Menschenmassen durchschieben. Dann zurück zum Schiff, damit zu einem schwimmenden Fischerdorf, mit dem Kayak zwischen den Felsen umher und zurück.

Es ist wirklich unfassbar wieviele Schiffe hier unterwegs sind, bei einigen hundert Anbietern verschiedenster 1,-2 oder 3-Tagesfahrten aber kein Wunder, es war ja schon ein Horror da eines auszuwählen. Ob ich unseres daher empfehlen würde? Eigentlich würde ich jedem überhaupt davon abraten ein Halong Bay Cruise zu machen, der Massentourismus nimmt dem Naturwunder vieles seiner Schönheit und die Preise sind schon unverschämt teuer. Vermutlich ist es ratsamer z.B. mit der Autofähre zur Cat Ba Island zu fahren - damit entgeht man den Massen ein wenig und spart auf jeden Fall viel Geld. Aber nochmal zurück auf's Schiff: Nachdem wir dann schon länger unterwegs waren wie geplant, gab es auch noch Abendessen auf dem Schiff, zwar im Hafen, aber es war inzwischen sowieso schon dunkel. Und als wir dann nach guten 6 Stunden das Schiff wieder verließen gab es die nächste Hiobsbotschaft: Wir müssen nochmal eine knappe Stunde warten bis der Bus da ist... wir versuchten es mit Humor zu nehmen und hatten nochmal ausführlich Zeit uns mit den anderen unser bunt gemischten Truppe auszutauschen. Bis wir dann endlich wieder zurück in Hanoi waren war es Mitternacht, wir hatten einen sehr erlebnisreichen 16-Stunden-Tag hinter uns und einen letzten (ungeplanten) Tag in der Hauptstadt vor uns - bevor Vietnam seine Wiedervereinigung am 'Reunification Day' (30. April) feierte. Eine letzte Sehenswürdigkeit hatte wir noch nicht gesehen, das Mausoleum von Onkel Ho, wie die Vietnamesen ihren Ho Chi Min nennen. Man sollte generell früh am Tag kommen um den einbalsamierten Volkshelden zu betrachten, aber das hilft am Tag der Wiedervereinigung auch nichts - nachdem wir ca. 20 Minuten lang versuchten das Ende der Menschenschlange rund um mehrere Häuserblocks zu finden gaben wir auf. Und während Vietnam seine Wiedervereinigung weiter feierte, verließen wir das Land und damit Indochina...

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